Sagen von Waltershausen
 
   
  Der Samtene Ärmel

Am Nikolaustor zu Waltershausen sieht man das Stadtwappen: Drei bewurzelte Tannen, zwischen ihnen schwebend, ein Fisch. Über dieses merkwürdige Arrangement erzählt man folgende Sage. In alten Zeiten befand sich am Fuße des Striemelsberges eine Quelle, die Waltershausen mit Wasser versorgte. Eines Tages begann die Quelle so stark zu sprudeln, dass die ersten Stockwerke der Häuser bald unter Wasser standen. In seiner Not wandte sich der Stadtrat an einen Mönch des Klosters Reinhardsbrunn. Dieser ging zur Quelle, stopfte den samtenen Ärmel seiner Kutte hinein und versprach sie. Die Quelle ist seitdem verschwunden. Der Ort aber, an dem einst das Wasser quoll, wird noch heute „Samtener Ärmel“ genannt. Als sich das Wasser nach und nach verlief, fand man Fische auf den Bäumen und Zäunen. Zum Andenken an diese Begebenheit nahm der Stadtrat drei Bäume und einen Fisch in das Stadtwappen auf. Da nun die Quelle am Striemelsberg die Stadt nicht mehr mit Wasser versorgte, wurde das Badewasser, das früher nach Wahlwinkel floss, nach Waltershausen geleitet. Als Entschädigung erhielt Wahlwinkel ein Stück Wald am Komstkochteich.

Erzählt nach: Landeskunde des Herzogtums Gotha, Gotha 1884
     
 
  Die Sage vom Komstkochteich

Landgraf Ludwig der Eiserne von Thüringen hatte sich einst auf der Jagd verirrt. Müde und hungrig traf er endlich im Walde Holzbauern an, die soeben dabei waren, ihr selbst gekochtes Mittagessen, Komst, zu verzehren. Er bat sie, ihm doch den Weg nach Reinhardsbrunn zu zeigen. Da luden die Holzbauern den Landgrafen freundlich ein, als ihr Gast mit ihnen zu essen, was er dann auch tat. Nach der Mahlzeit brachten ihn die Männer nach Reinhardsbrunn. Zum Dank hierfür schenkte der Landgraf den Holzbauern das ganze Stück Wald, die Wiese und den Teich, wo er sie bei der Arbeit gefunden hatte. Noch heute gibt es den Komstkochteich und Komstkochwiese.

Quelle: B. Kestner, Walteshäuser Heimatbilder, IV. Folge, Waltershausen 1935.
     
 
  Die weiße Frau auf Schloss Tenneberg

Die Ernestiner regierten Thüringen nach der verlorenen Schlacht von Mühlberg 1547 ohne Kurwürde. Seit 1554 versuchte Johann Friedrich II., der Mittlere, die Geschicke des Landes und der Familie zu lenken. Er ging dabei politischen Abenteuern nicht aus dem Weg. Die „Grumbachschen Händel“ zum Beispiel brachten Leid über das Land, aber nicht die sächsische Kur zurück. Der Herzog, ein kluger Mann, war leider anfällig für Weissagungen, die sich mit der Weisheit wenig vertrugen. Der Bauernjunge Hans Müller, genannt „Tausendschön“, glaubte, himmlische Boten offenbarten die Zukunft. Er flüsterte dem Fürsten ein, was er tun oder lassen sollte. In dieser Zeit lebte eine vornehme Damen auf Tenneberg, wo die Ernestiner im 16. Jh. vorübergehend residierten. Der Gast gab sich als Anna von Kleve aus, geschiedene Gemahlin des englischen König, der ja als scheidungsfreudiger Heinrich VIII.  unvergessen blieb. Zunächst war sie auf dem Schloss Grimmenstein zu Gotha freundlich aufgenommen worden. Gerüchte nährten den Verdacht, es handele sich nicht um die Königin. Johann Friedrich ließ die Unbekannte auf das Schloss Tenneberg bei Waltershausen bringen und dort peinlich verhören. Schließlich verurteilte man die Frau zu lebenslänglicher Haft auf Tenneberg. Daselbst habe sie in einem gemauerten Gewölbe gesessen und stets ein langes, weißes Kleid getragen. Weiß aber ist die Farbe der Unschuld. Das Schicksal der weißen Dame bleibt ein Geheimnis. Niemand kann sagen, ob sie ihre Tage auf Tenneberg beschlossen hat. Ihre Spuren verlieren sich im Dunkeln. Wenn aber vom benachbarten Gebirge die  Stürme im Frühling und Herbst hernieder sausen, dass auf Tenneberg die Fenster rasseln und die Dachschiefer klirren, geschieht auf dem Schloss etwas Sonderbares. Die Schlosshunde winseln ängstlich, des Käuzchens Unglücksrufe hallen in den alten Mauern und um Mitternacht knarrt die Wetterfahne des Turmes gewaltig. Plötzlich erscheint das Schloss in einem matten Glanz, die Portale öffnen sich geräuschlos und eine blasse Frau schreitet in lichtem Gewand mit wallender Schleppe unter Seufzen und Klagen feierlich durch die Galerien, Wandelgänge, Gemächer und Säle des Schlosses. Kündigt der Wächter die Morgenstunde an, verschwindet der Spuk. Johann Friedrich II. kam aus der anderen Geschichte nicht ungeschoren heraus. Der Kaiser Ferdinand forderte von ihm die Auslieferung des Ritters von Grumbach. Der hatte auf eigene Faust sein Recht gesucht und beim gothaischen Fürsten Unterstützung gefunden. Dessen Bruder, Johann Wilhelm, teilte die Regierung mit ihm, aber nicht seine politische Entscheidung in Sachsen Grumbachsche Händel. Maximilian der II. verhängte über den Ritter die Aberacht. Über Johann Friedrich die Acht. Der Kurfürst August schritt zur Reichsexekution. Gotha wurde belagert. Nach einem Aufstand in der Stadt war der Kurfürst der Triumphierende. Grumbach und der gothaische Kanzler Brück wurden am 18. April 1567 auf dem Markt zu Gotha gevierteilt, der Grimmenstein geschleift, und der Herzog lebte bis zu seinem Ende in Gefangenschaft, weil er eine vollständige Kapitulation verweigert hatte. So fiel auch Gotha an Johann Wilhelm, der in Coburg seine Zelte aufgeschlagen hatte. Der dritte Bruder, Johann der Jüngere, war 1565 gestorben.

Quelle: B. Kestner, Walteshäuser Heimatbilder, IV. Folge, Waltershausen 1935




 
  Johann Christoph GutsMuths kommt nach Schnepfenthal

Der Besucher des kleinen Waldfriedhofes in Schnepfenthal findet hier Namen verewigt, die einen guten Klang haben in unserer Kulturgeschichte. Der Pädagoge Chr. G. Salzmann ruht neben Angehörigen und Mitarbeitern in der Erde dieses idyllischen Platzes. Der aufgeschlossene Gothaer Herzog Ernst II. hatte den Pfarrer Salzmann ermuntert, in Schnepfenthal 1784 eine Bildungsstätte zu gründen, die Ihre Schüler auf ein „gemeinnütziges, patriotisches und glückseliges Leben“ (Basedow) vorbereiten sollte. Der Wald schützt eine Sehenswürdigkeit, die für sportbegeisterte Mädchen und Jungen unserer Zeit,  von Interesse sein dürfte. Salzmanns Mitstreiter legte auf der Hardt nahe Schnepfenthal den ersten deutschen Turnplatz an und turnte mit den Zöglingen der Salzmannschule fröhlich an der frischen Luft. Guten Mutes waren sie und ihr Lehrer sicherlich. GutsMuths hieß der Mann...

Wer diese Geschichte zu Ende lesen möchte und sich noch für einige weitere Sagen von Waltershausen interessiert, schaut bitte im:

Waltershäuser Sagenbuch
„Schau ins Land vom Tenneberg“
Sagen, Geschichten und Geschichte
von Hartmut Mai
 
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